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Tagebuch einer Seefahrerin: Himmel & Hölle

Himmel & Hölle auf der AIDA zugleich, als würde man in einem Käfig im Paradies abgestellt werden.

Seefahrerin in Woche 3 –  in meinem neuen Leben als AIDA Crew Mitglied.

Eine Woche mit Tiefgang, mit Gedanken alles hinzuschmeißen und den nächsten Flug nach Hause zu nehmen.

Tagebuch einer Seefahrerin

„Arbeiten wo andere Urlaub machen“ ist kein Ponnyhof,
auch wenn die Umgebung schöner ist als im aktuell grau-weißen Bayern.

Drei Wochen ohne einen Tag Pause zu arbeiten ist anstrengend! Ich bin müde und sehne mich nach einem freien Tag auf dem Sofa.

Jeden Tag vor den Gästen zu lächeln, präsent zu sein und alle Fragen stets freundlich zu beantworten, auch wenn es bereits Mitternacht ist und ich schon längst Feierabend haben sollte – laugt einfach aus.

Die Kassendifferenzen (wir arbeiten täglich mit fünf Währungen) die ich zahlen soll, wenn sie nicht aufkommen, kosten mich jeden Abend Nerven und bestimmt bald mein erstes graues Haar.

Noch keine richtigen Freunde an Bord zu haben, keiner mit dem ich mich über alles austauschen kann, zum Essen oder raus gehen verabrede, und dem ich mich nahe fühle – gibt mir das Gefühl der Einsamkeit, obwohl ich paradoxerweise ständig und immer von Menschen umgeben bin.

Und am aller schlimmsten, ist tatsächlich das Fernweh!

Tagebuch einer Seefahrerin

Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass ich gerade im fernen Asien unterwegs bin.

Theoretisch bin ich in Asien, doch all zu viel sehe ich nicht davon! Ja wir liegen am Hafen in Vietnam, doch die nächste Stadt ist zwei Taxistunden entfernt, was sich weder mit meinem Dienstplan noch mit meinem Geldbeutel vereinen lässt.

Ich war also in Vietnam und war es doch nicht!
Den Tag habe ich wie so oft auf meinem geliebten Pooldeck verbracht. Bin ich froh dass es dieses gibt. Aber nein, Vietnam hab ich leider nicht gesehen.

Genauso wie Koh Samui. Ja ich habe die Insel durch das Fenster gesehen und von den Bildern, die meine Kollegen gegoogelt haben. Aber meinen Fuß habe ich auf dieses Stückchen Erde nicht gesetzt, obwohl ich rein theoretisch ganz nahe war.
Und so geht es mit vielen Häfen die wir anlaufen.
Ich war elf Tage nicht draußen.
Elf Tage auf dem Schiff, mit viel viel Arbeit und einem weinenden Herzen das raus will.

Tagebuch einer Seefahrerin

Das habe ich mir wirklich anders vorgestellt!
Ich will doch die Welt entdecken. Anstatt dessen wünsche ich unseren Gästen einen schönen Landgang, und selber muss ich auf dem Schiff bleiben.

Fast wie Hausarrest früher in der Jugend.
Ich vermisse meine Freiheit und das Backpacken so unendlich sehr!
Sachen packen und mit dem Rucksack weiter ziehen, um neue Orte zu entdecken, Surfen zu gehen, im Dschungel zu wandern und an Wasserfällen zu baden. Ohhhh Gott, wie ich es vermisse.

Müdigkeit, Einsamkeit, Frust und Fernweh drücken mich in ein tiefes Tief. Die Achterbahn donnert hinab ins in den dunklen Abgrund.

Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich hab keinen Bock auf die Scheiße“ zischt es durch meinen Kopf. Seefahrerin meldet sich ab vom Dienst!
„Ach bitte Gott kann ich nicht sofort im Lotto gewinnen und frei sein!“

Tagebuch einer Seefahrerin

Was ist nur los mit mir?

Ich wollte doch unbedingt aufs Schiff!
Dies war schon lange ein Traum von mir, der fast zu platzen schien. Ganz unerwartet bekam ich doch noch einen Job auf der AIDA. Und jetzt wo ich da bin, und die Aufregung sowie Neugierde der ersten zwei Wochen verflogen ist, wünschte ich, dass meine Zeit hier schon um sei.

Himmel und Hölle als Seefahrerin!

Auf einem schwimmenden Container im fernen Asien.

Schön, dass du mir auf der Reise meines Lebens folgst!

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