Wenn sich Luxus & Low-Budget küssen

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Es kann eben nicht immer alles gut laufen!

Als ich mir in den Vorbereitungen überlegte, in welche Länder ich reisen will, hatte Jamaika hohe Priorität. Da wollte ich schon immer hin! Kolumbus soll gesagt haben, es wäre der schönste Fleck auf dieser Erde.
Freudig stieg ich in den Flieger. Yeah ich steuere Land Nummer 10 auf meiner Reise an!

Dort angekommen wollten sie erst mal 120€ für das Taxi vom Flughafen nach Ocho Rios haben. Ich fragte nach einem Bus und alle waren sich einig: „Viel zu gefährlich für Touristen. Alle fahren immer mit dem Taxi“. Tja aber bestimmt nicht ich!
Hingegen aller Warnungen hab ich mich vom Taxi nach Kingston Down Town bringen lassen und bin da in den öffentlichen Bus nach Ocho Rios gestiegen.

Was soll ich sagen, ich habe es überlebtt!
Von wegen zu gefährlich! Insgesamt war ich vier Stunden unterwegs vom Flughafen bis zum Hostel, aber ich habe gesamt dann nur 42€ gezahlt anstatt 120€.

Und eingequetscht in einem Bus zu sitzen, mit doppelt so vielen Leuten, wie es eigentlich Sitze gibt, den Arm des Nebenmannes spürbar in den Rippen und ein riesen Kartoffelsack auf meinem Rucksack geparkt, der bei jeder Kurve auf meinen Kopf rutschte.
Ja genau, das ist Backpacking!

In Ocho Rios angekommen fühlte ich mich pudelwohl. Ich quartierte mich für vier Nächte im Reggae Hostel in Strandnähe ein. Super freundliches Personal, hab mich auch mit den Leuten gut verstanden. Manchmal mag ich einfach mein Ding machen und mit keinem reden aber hier war ich mal super sozial.

Obwohl das Wetter ab dem 2. Tag nicht mehr so gut war, konnte man in Ocho Rios so viel machen. Es gibt schöne Strände, man kann gut in Down Town und auf dem Markt shoppen gehen. Party und schöne Restaurants gibt es in Margaritavill nebenan.

Mein Highlight war der Dunn´s River Fall nur 3km vom Ort entfernt. Die verlangen zwar 20 Dollar Eintritt, aber das war es mir Wert. Ich liebe Wasser und eine halbe Stunde lang einen megabreiten Wasserfall hinaufzuklettern, ist genau mein Ding. Ich bin gleich zweimal rauf, weil es so schön war!

Auf dem Weg gibt es auch noch den kleinen Dunn´s River Fall. Der kostet keinen Eintritt, wenn man sich nicht abzocken lässt und da ist es ganz nett für eine Abkühlung. Da trifft man am späten Nachmittag auf all die Einheimischen. Es gibt auch einen Jungle Adventure Park, das hab ich mir gespart, weil ich mir dafür einen langjährigen Traum erfüllt habe: Delfinschimmen. 150 Dollar Eintritt für den Dolphins Cove Park mit 45min Delfinschimmen zuzüglich 60 Dollar für die Foto CD. Und auch das war es mir Wert!

Schnell fällt auf, das Land ist für den Tourismus ausgelegt. Es gibt ein riesen Angebot, aber sie verlangen auch wirklich für alles nicht gerade wenig Eintritt. Da das Wetter dann dauern schlecht war und am Strand liegen somit ausfiel, hab ich dauernd irgendeinen Ausflug gemacht, was natürlich ins Geld ging.
Denn einfach Mal einen Tag im Hostel chillen geht bei mir gar nicht!

Was noch sehr schnell auffiel, mit den Männern verhält es sich hier noch schlimmer als in Kuba.
Auch hier wurde ich andauernd, teilweise dreimal pro Minute angemacht. Sie schreien einen von der anderen Straßenseite, dass man mal ganz schnell rüber kommen soll. Klar!
Ignoriert man den, wartet eh gleich schon der Nächste, und so geht das andauernd, solange ich draußen bin.

Am vierten Tag ging es dann mit zwei Bussen und zwei Taxis nach Negril, in den Westen Jamaikas.
Auch hier habe ich es überlebt, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Unterwegs war ich fünf Stunden und hab 12€ gezahlt. Wäre ich in ein Taxi gestiegen, was zwei Stunden gedauert hätte, wäre ich 200€ los geworden.

Sehr zufrieden war ich auch mit meinem Hostel in Negril, Judy´s Cottage. Ganz süße kleine Häuschen, in einem bunten Garten. Zum karibischen Postkarten Strand „7 Miles Beach“ kann man zu Fuß laufen. Ich bekam dann auch für einen Tag richtig schönes Wetter, sodass ich den Tag am Stand genießen konnte.

 Am nächsten Tag machte ich mit vier Leuten aus dem Hostel eine Tour zum höchst angepriesenen „Blue hole“, eine halbe Stunde von Negril entfernt. Nachdem wir 10 Dollar Eintritt zahlten, waren wir alle sehr enttäuscht, was es dafür zu sehen gab. Ein kleines Loch in der Erde mit grünem Wasser, in das man springen oder hinunterklettern und baden konnte. Nicht schlecht aber 10 Dollar sind zu viel dafür. Eben typisch Jamaika!

Die würden sogar was verlangen, wenn du einen Baum im Wald umarmen wollen würdest!

 Danach sind wir zu einer Höhle „The Cave“ die weniger bekannt aber dafür viel besser war. Wir zahlten 25 Dollar Eintritt und 5 Dollar für unseren Guide, waren dann aber zwei Stunden in dieser riesen Höhle unterwegs und durften dort in zwei natürlichen Mineralbecken baden. Eines davon hat angeblich keinen Boden. Taucher aus der ganzen Welt seien hier schon gewesen, um die Aussage zu widerlegen. Aber soweit sie auch tauchen konnten, sie fanden keinen Boden. Wenn ich in 50 Jahren immer noch so gut aussehe, dann lag es wohl am jamaikanischen Jungbrunnen in der Höhle!

 Sehr bekannt ist in Negril das Ricks Cafe, wo man von den Klippen springen kann. Eine Schau! Und es sind auch wirklich Massen von Touris hier. Auch der Sonnenuntergang soll hier der Beste sein. Die Atmosphäre hat mir hier wirklich unheimlich gut getaugt und ihr könnt es ahnen, natürlich bin auch ich gesprungen!

 Mit den Männern musste ich mich hier in Negril nochmehr ärgern. Die Jamaikaner rufen sich ja immer gegenseitig „Ey Man Love, Respect“ zu. Die ganze Zeit, aber zu sehen ist davon nichts! Eher im Gegenteil! Nirgendswo auf der Welt, wo ich bisher war, hab ich so viel Respektlosigkeit von den Männern erlebt wie hier in Jamaika!

Als ich zum Strand ging und an einem parkenden Auto vorbei kam, riss ein alter Sack die Tür auf und schrie mich an, ob ich einen Boyfriend brauche. Ist das die Art hier sich anzubieten?!
Da war er nicht der Einzige, der mir seine Nudel anbiet. Kotz echt, die können einem derart die Laune vermiesen, wenn das jede Minute so geht, da hilft der schönste Strand auch nix mehr!

Ein anderer Mann schrie über die Straße rüber „This not good woman“ und hetzte seine Freunde noch gegen mich auf, nur weil ich vorher keinen Bock hatte, auf dieses gespielt fröhliche Rastaman-Getue einzusteigen und mit ihm zu reden.

Schnell ist es dort aus mit der Freundlichkeit!

Grade, dass sie mich nicht gleich auf der Straße gesteinigt haben, nur weil ich mich nicht mit jedem ausgiebig beschäftigt habe, sowie sie das wohl gern gehabt hätten. Furchtbar!

Die Krönung war dann ein Junge im Anfang seiner Pubertät am Strand. „Hey sexy Lady, I like you, whre are you staying?“ Auf die Aussage, dass er ein Kind ist und nicht mit mir so zu reden hat, gab er zurück „Iam not a child, Iam a man!“
Der hatte noch kein einziges Haar im Gesicht und war einen ganzen Kopf kürzer als ich. Älter als 14 Jahre kann der nicht gewesen sein, aber baggern wie die dummen alten Vorbilder, die sich seit ihrer Kindheit ständig die Birne zukiffen und nicht mehr klar denken können!

Drei Männer sind unabhängig voneinander splitterfasernackt auf der Straße rumgelaufen, mit der Hose in der Hand und einem extrem verballerten Gesichtsausdruck. Hier ist nicht nur das Gras legal, auch die Nudel hat öffentlich Freigang oder wie?

Was stimmt eigentlich nicht mit denen? Völlig aber auch wirklich völlig Banane!

Der Typ auf dem nächsten Foto meinte, dass ich respektlos wäre, weil ich mit jemand anderem an seinem Strandabschnitt geredet habe. Ich wäre schließlich seine Frau!
Äh, ich saß da nur am Strand in seiner Nähe, hab ein paar Sätze mit ihm geredet und einmal von seinem Joint gezogen. ( Denn ich finde, auf Reisen sollte man landestypische Produkte probieren! ) So schnell wird man in Jamaika also gleich zum Eigentum. Er sei schließlich Mr. VIP!
Das hat er wirklich gesagt. Da kann Frau doch nur noch lachend den Kopf schütteln.
Dann wäre ich jetzt ja Ms. VIP! Yeah Man!

Die Securitys in den verschiedenen Hostels, haben ihre Augen nicht mehr aufbekommen, weil sie so dicht waren. Und dafür werden die auch noch bezahlt!
Einer hat komplett durchgeschlafen während seiner Arbeitszeit als Wachmann.

Braucht man sich nicht wundern, dass uns in der letzten Nacht die Handys aus dem Hostel raus gestohlen wurde! Nein, die Security hat nicht geschlafen, sie kam erst gar nicht! Aber das wäre eh Jacke wie Hose gewesen!

Also wie gesagt, völlig entnervt vom schlechten Wetter und den noch schlechteren Manieren der Landsleute ging es dann in die dritte Stadt Montego Bay.Hier konnte man nicht viel machen, aber vielleicht war ich auch schon müde von den ganzen Ausflügen und ich konnte mir schon ausmalen, dass mich für ein hohes Eintrittsgeld nicht ganz so viel erwartet.

Die berühmte „Blue Lagoon“ hab ich mir dann gespart, als die Videos in Youtube so aussahen, als würde man in einen Gartenteich springen. Ne Dank,e nicht für weitere 25 Dollar!

Da es dort auch wieder nur geregnet hat, beschloss ich mir die Langweile mit Cocktails und die Teilnahmen an Sauf-Spielen auf der Bühne im Margaritavill, das es öfter in Jamaika gibt, zu vertreiben. Hier bin ich wenigsten unter Touris, die mich nicht dumm anlabern.

Zu einem Ausflug ließ ich mich dann doch noch hinreißen. Den Leuchtsee, den es nur ein paar Mal auf der Erde gibt. 40€ später mussten wir im braunen Matschwasser feststellen, dass hier gar nichts leuchtet, außer die Birne von unserm Bootsfahrer, der freudig Bob Marley Lieder sang und wie alle hier ständig: „Yeah Man, Love, Respect“ faselt. Ach Gott!
Angeblich lag es am Regen, dass nichts geleuchtet hat, aber wieso zocken sie uns dann trotzdem ab, anstatt zu sagen „Ey kommt morgen wieder, heute gibt es sicher nichts zu sehen!“

Wie schon gesagt, wurde in meiner letzten Nacht in Jamaika dann noch mein geliebtes I Phone geklaut.
Von einem Jamaikaner, der bei uns im Hostel Zimmer schlief, aber offensichtlich ausgecheckt hatte. Aber nein, er bezahlte für eine weitere Nacht um den Schlüssel zu behalten und kam nachts leise mit diesem ins Hostel, um uns allen die Handys zu klauen. Zurück gelassen hat er auf dem Bett eine Maske, er war nämlich am Abend zuvor auf einer Maskenparty. Ich habe ihn dort gesehen.
Tja er hat uns dieses Beweisstück zurückgelassen, wie im Film. CSI Jamaika!

Alle fünf gingen wir am nächsten Morgen total angenervt zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.
In Montego Bay gab es nicht viel zu sehen, aber die Polizeistation war filmreif!
Hätte ich nicht durchs Fenster die Polizeiautos vor der Tür draußen stehen sehen, hätte ich gedacht wir wären in der Zeit zurück gereist nach 1817. Die haben dort keinen Computer, aber einen alten Fernseher, und schreiben alle Vorgänge mit Bleistift in große Bücher mit Ledereinband.
Wie im wilden Westen! Dementsprechend sah auch mein Anzeigenformular aus!

Von der Polizei zurück ins Hostel zum Auschecken und dann sofort zum Flughafen. Auch der Taxifahrer wollte mir den 10 fachen Preis berechnen und lachte nur, als ich sagte, dass ich ganz genau weiß was dieses Fahrt kostet und dass ich ihm auch nicht mehr bezahlen werde.

Tschüss Jamaika, du siehst mich nie wieder! Du hast dich nicht von deiner besten Seite gezeigt!

Und nun als ich zurück bin, habe ich schon einige getroffen die mich speziell fragten, wie es mir in Jamaika gefiel, denn auch denen ging es dort so mit den Landsleuten. Und das waren keine blonden Frauen. Die reden also jeden dort so rotzfrech an!

Aber hey, sollte es dir trotzdem so gehen, dass du wie ich, da schon immer mal hin wolltest, dann mach das. Hol dir deinen eigenen Eindruck von der Insel, vielleicht kommst du ja mit ganz anderen und schöneren Erinnerungen heim!

Schön, dass du mir auf der Reise meines Lebens folgst!