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Corona Virus – Aus der Sicht einer Reisenden die festsitzt!

„Corona Virus, ach das verfliegt gleich wieder!" sagten wir uns in den Anfängen.
Dass wir möglicherweise auf See in Quarantäne gefangen sein könnten, so weit dachte bisher keiner.

Rückblick: 3 months ago

Es war Mitte Januar auf dem Kreuzfahrtschiff AIDAvita, unterwegs in Asien. Dort arbeitete ich seit Oktober als Rezeptionistin.

Die Meldungen über den Ausbruch des Corona Virus in Wuhan wurden immer lauter, bis wir davon hörten, dass die Princess bereits Krankheitsfälle an Bord hat und das ganze Schiff deshalb unter Quarantäne liegt. Ein paar Tage später wurde über ein Costa Schiff gemunkelt.


Hmm, prima Vorstellung, 14 Tage lang in einer Innenkabine eingesperrt zu sein und nur alle zwei Tage kurz raus zu dürfen mit einem Corona Virus an Bord?!

Noch schlimmer für die Crew, denn da wohnt man zu zweit in einer acht m² Kabine.

Schnell weg mit dieser Vorstellung!

Corona Virus

Mein Abstieg in Hongkong steht bevor, am 12. Februar 2020. Ich bange sehr darum ob das so klappt! Meine Flugbestätigung für Hongkong hab ich schon. Ihr könnt es euch denken, ich möchte wirklich heim!

Mittlerweile zweifelt jeder an, ob wir Hongkong wegen der schnellen Ausbreitung des Corona Virus überhaupt anfahren können. Was würde das für mich bedeuten?
Meine größte Angst ist, dass ich dann erst am 22. Februar in Singapur absteigen darf. Dann wäre ich am 23. in Deutschland, habe aber am 25. einen Flug nach Miami.
Ich habe 14 Monate durch gearbeitet und meinen Freund sechs Monate nicht gesehen. Ich will meinen Urlaub nicht verpassen! Natürlich hab ich auch meine Freunde und Familie vier Monate nicht gesehen und wenn ich genau einen Tag Zeit zwischen beiden Flügen hätte, wäre das mehr als ungünstig!

Aber das Schlimmste ist, dass ich dringend einen neuen Reisepass brauche, denn meiner ist nach fünf Jahren, bis auf zwei Seiten voll.
Reisepass online beantragen geht nicht, und selbst mit Express Bestellung dauert das min. drei Werktage. Auf keinen Fall kann ich erst in Singapur absteigen, denn dann kann ich meinen Urlaub komplett vergessen.
Dieses Thema lässt mich nicht aus!

Reiseblog

Ich hatte einen Traum, dass mein Flug Verspätung hatte und ich deshalb auf eine Veranstaltung, auf die ich in München eingeladen gewesen wäre, verpasse. Toll, mein mulmiges Gefühl wird dadurch nicht besser!

Einige Tage später hatte ich einen zweiten Traum. Mir wurde gesagt, dass Hongkong offiziell nicht angefahren wird. Als ich am Morgen zur Arbeit ging, erhielten wir tatsächlich, genau wie in meinem Traum, die Nachricht, dass sich AIDA entschlossen hat, die Route zu verlegen und Hongkong nicht anzufahren. Während des ganzen Prozesses orientierten wir uns an der WHO und dem Auswärtigen Amt. Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen dem Corona Virus den weltweiten Notstand ausgerufen und somit war unsere Entscheidung dann klar!

Einige unserer lieben Gäste forderten sofort ein Beschwerdeformular, da sie mit der „willkürlichen“ Routenänderung nicht einverstanden sind. Willkürlich? Menschen sterben, Schiffe liegen in Quarantäne, Hongkong schließt die Häfen für den Schiffsverkehr und die sprechen von Willkürlich??? ​

Die neue Route geht nach Vietnam. Auch schön, dann seh ich die Halong Bucht vielleicht doch noch! Wann wir von der Crew absteigen dürfen, steht allerdings noch nicht fest. Ich werde immer nervöser, kann fast an nichts anderes mehr denken und bin völlig angespannt wegen der Vorstellung, dass ich meinen Urlaub sausen lassen muss!

Nach einigen Tagen kommt die erlösende Nachricht, wir steigen in Cai Lan / Vietnam ab.

Allerdings schiebt sich mein Abstieg dann zwei Tage nach hinten. Merkt ihr was?
Mein erster Traum hat sich auch bewahrheitet, denn mit dem späteren Abstieg verpasse ich die Veranstaltung. Irgendwie gruselig!

Überglücklich sind wir, als auch unsere Flugzeiten endlich im System stehen. Pläne mit Familie und Freunde werden gemacht.

In der Nacht als wir auf Cai Lan zugefahren sind, erzählte mir meine Zimmermitbewohnerin, dass sie oben gehört hätte, dass wir umdrehen. Na toll, so eine Info genau zum Einschlafen. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich die halbe Nacht wach war!

Als ich am Morgen ins Büro kam, fragte ich als erstes, wo wir hinfahren. „Wir wissen es nicht“ war die Antwort und sie lachten dabei. „Das ist kein Scherz“ entgegnete ich energisch und brach in Tränen aus. Das war zu viel für mich! Ich will hier runter, jetzt und nicht erst in Singapur. Noch schlimmer ist der Gedanke, dass wir wochenlang herumirren, mit oder ohne Corona Virus, weil uns kein Hafen mehr nimmt und wir dann nach Hamburg durchfahren. Oh Gott ich will hier runter!

Corona Virus

An der Rezeption kamen die Gäste zum Geldwechseln und wir mussten ihnen sagen, dass das hinfällig sei, weil wir gar nicht mehr nach Vietnam fahren. Es stimmt, wir mussten nachts wenden, weil Vietnam beschlossen hat, dass sie keine Schiffe mehr rein lassen! Erst mit der Durchsage des Kapitäns um 10:00 Uhr wissen wir alle mehr.

Als die Durchsage kam, war es muchsmäuschenstill auf dem Schiff. Singapur soll das neue Ziel sein. Aber was ist wenn Singapur auch kurz vorher dicht macht?

Am Nachmittag hielt der Kapitän im Theater eine Rede und erklärte die neue Route, welche über Thailand gehen sollte. Aha wir fahren also nach Thailand.

Die Gäste überrannten uns an der Rezeption mit Beschwerden. Flugumbuchungen mussten erneut aufgenommen werden. Extras, welche sich nicht dazu buchen ließen, wurden trotzdem vergeblich angefragt.

Es war die Hölle. Das für Rezeptionisten geforderte Dauergrinsen war nicht mehr möglich. Ich frage mich wirklich, warum ich diesen Job überhaupt mache!

Für mich kam die Bestätigung, dass ich auch in Bangkok absteigen werde, mit erneuten zwei Tagen Verspätung. Egal, Hauptsache heim. Und meinen Reisepass schaffe ich auch noch!

Einen Tag später kamen wir ins Büro. Unsere asiatischen Kollegen vom Housekeeping sortierten kistenweise Briefe in Briefumschläge. Das haben sonst immer wir gemacht. Uns war klar, da stimmt was nicht!

Was da drauf steht, dürfen wir nicht lesen, und die können es nicht lesen. Am Nachmittag wurde das Geheimnis gelüftet. Ich war schweißgebadet und durch mit meinen Nerven. Ich war mir sicher es heißt jetzt, dass wir Bangkok auch nicht mehr anfahren dürfen.

Aber zu meiner Erleichterung wurde verkündet, dass die AIDAvita ihren Dienst einstellt und alle Gäste übermorgen von Bord müssen in Bangkok. Juhu, also auch ich!

Schon wieder neue Flugzeiten mussten rausgegeben werden für 2000 Gäste. Das Spektakel will ich gar nicht mehr beschreiben. Die vergangenen 24 Stunden und die nächsten zwölf Stunden, gehörten jetzt im Nachhinein betrachtet, zu den schlimmsten Stunden meines Lebens. Beim Mittagessen hat mein Herz so heftig gepocht, dass ich dachte, der Herzinfarkt erlöst mich von der wütenden Meute.

Erneut alle zum Fiebermessen, Farewell Party und dann ging es endlich heim für mich. Ich machte drei Kreuzzeichen, als ich wirklich im Flieger saß. Endlich dem Corona Virus Drama entkommen und sicher heim nach Europa. Dort wurde die ganze Situation noch gar nicht richtig ernst genommen. Die haben nicht miterlebt, was ich in Asien erlebt habe. Danke, diese Erfahrung reicht einmal im Leben!

Corona Virus

Das ganze, ist nun über zwei Monate her. Einige Kollegen von mir auf anderen Schiffen sitzen wirklich fest und wissen nicht, wann sie anlegen und endlich absteigen dürfen. Meine Angst war also nicht unbegründet!

​Meinen Urlaub in Miami und Costa Rica konnte ich noch durchziehen.
Nur in der zweiten Woche meiner Gruppenreise schlossen die Strände in Costa Rica und das Ende vom Lied war ein Heimflug mit dem Rückholprogramm der deutschen Bundesregierung. Wir müssen den Flug natürlich zahlen. Trotzdem danke Deutschland für diesen grandiosen Dienst für so viele zigtausende Menschen.

Corona Virus


Mehr über diese ganze Story in Costa Rica und der Rückholaktion findet ihr in meinem neuen Reisetagebuch.


Schön, dass du der Reise meines Lebens folgst!

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