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6 Dinge, die dich auf einer Weltreise verändern

Sechs Monate war ich dieses Jahr auf Reisen, und seit Ende Juni bin ich wieder zurück.
Die Reise hat mich verändert, hat meine Ziele und Wünsche genauer definiert, meine Vorstellung vom Leben in eine neue Richtung gelenkt.

Mit diesen Gefühlen bin ich nicht allein!

Sehr oft lese ich in anderen Büchern von Weltreisenden, dass ihnen das „wieder zurück sein“ auch schwerfällt.
Die einen brauchen einfach ihre Zeit um sich wieder einzugewöhnen, andere wollen genau das nicht mehr tun – sich eingewöhnen – und steigen ganz aus. Hinaus in die große Freiheit, die große Welt!

Hier die sechs wesentlichsten Dinge, die einem Menschen durch eine Weltreise verändern:

  1. Materielles wird unwichtiger

Auf einer Reise hat man nur einen Rucksack mit den wichtigsten Dingen, die man unterwegs benötigt, dabei. Durchschnittlich 20 kg kann man von all dem Besitz, den man sich über die Jahre angehäuft hat, mitnehmen. Der Rest wartet daheim in der Wohnung, falls man noch eine hat, oder wurde verkauft, verschenkt, eingelagert.

Das Lebensgefühl und die Erlebnisse auf so einer Reise sind so unbeschreiblich schön und neu. Man darf das alles erleben, weil man den Schritt gewagt hat, nicht weil man so viel Besitz hat! Dies verändert die Wichtigkeit.

Auf Reisen genießt du jeden einzelnen Tag und fast jeder hält ein kleines Abenteuer bereit. Und das, obwohl du nicht viel von deinem ganzen „Zeug“ dabei hast.

Wenn du zurück bist und vielleicht wieder in deiner Wohnung lebst und deine ganzen Sachen aus den Kisten holst, ist das am Anfang ein sehr schönes Gefühl. Man fühlt sich geborgen und zu Hause und hat endlich wieder „Seins“. Doch nach ein paar Wochen erscheint einem all das nicht mehr wichtig. Die Reise ist vorbei – man kann sie nicht zurückholen!

Dafür ist man in der materialistischen Welt zurück. Man könnte jetzt wieder richtig shoppen gehen!
Aber wofür? Ich kann es auf meiner nächsten Reise eh nicht mitnehmen!
Und wenn ich mich entscheide mein Zuhause hier ganz aufzugeben, dann muss ich eh schauen; was mit all meinem Hab und Gut passiert.

Könnte ich jedes einzelne Teil in meiner Wohnung gegen einen Tag Weltreise eintauschen, würde ich es sofort tun!

Weltreise

  1. Du wirst gelassener

Auf Reisen passieren so viele Dinge, die man erstens nicht vorher sehen kann und manchmal für unseren deutschen Kopf unverständlich sind.

Man betet jedes Mal innerlich, wenn man am Geldautomaten steht, dass auch wirklich was heraus kommt, denn das ist in fernen Ländern nicht selbstverständlich.
Busse gibt es, einen Zeitplan eher selten, und dass sich daran gehalten wird, noch seltener.
Wenn du mit deinem schweren Rucksack auf den Schultern an der Haltestelle stehst, schon seit einer halben Stunde mit der heißen Sonne auf den Kopf wartest, bist du heilfroh, wenn der Bus überhaupt kommt.

Ist man zurück in Deutschland und beobachtet an Bahnsteigen, wie bei 5 min. Verspätung die große Mehrheit genervt auf die Uhr schaut und vor sich hin nörgelt, bleibt man selbst entspannt und denkt an all die Situationen auf Reisen, in denen man auf irgendwas gewartet hat und froh war, wenn es überhaupt weiter ging.

Schubladendenken, Ausländerfeindlichkeit, Überbewertung, Kleinkariertheit, pedantisches Einhalten von Zeiten und Plänen – all das verlierst du auf deiner langen Reise. Du lässt es einfach los, weil du erkennst, dass du mit diesen Eigenschaften kein Glück findest.
Was du gewinnst, ist ein erweiterter Horizont, innere Zufriedenheit und Gelassenheit, Mitgefühl und Verständnis für alle Menschen dieser Welt, mit Akzeptanz ihrer Unterschiedlichkeit.

Traumreise

  1. Kulturschock im eigenen Land

Wenn du mit all diesen neuen Eigenschaften aus dem letzten vorherigen Absatz zurück kommst und dann auf den weitverbreiteten typisch deutschen Nörgler stößt. Der, der alles hat und nichts teilt, sich aber nur beschwert, wie schlecht alles und vor allem der Andere sei!

Ja genau dann, geht die eigene Gelassenheit flöten und man fragt sich „Was mache ich eigentlich hier? Sind die denn alle bescheuert! Da draußen passiert so viel Gutes und auch Schlechtes in unserer Welt und du regst dich auf, weil jemand im Mehrfamilienhaus mit schmutzigen Gummistiefeln durch den Flur gelaufen ist!“Kein Scherz! Meine Gummistiefel wurden mal als Beweisstück A fotografiert.

Wirklich?
Eine Nation die alles hat, der es an nichts fehlt, die nicht Angst haben muss, dass das Kind auf dem Schulweg durch eine Autobombe durch die Luft fliegt oder man auf dem Weg zu Freunden von bewaffneten Truppen abgeballert wird.
Bei uns kommt sauberes Trinkwasser aus der Leitung und wir schmeißen täglich Tonnen von Lebensmitteln in den Müll. Einfach weil wir zu viel haben. Geht es darum „unser Zuviel“ mit jenen zu teilen die „weniger viel, bis nichts“ haben, protestieren wir lauthals.
Wir sind hier chronisch gestresst, chronisch schlecht drauf, chronisch am Nörgeln. In einem Land mit den besten Lebensbedingungen.

In vielen anderen Ländern haben die Menschen nichts, aber sie lachen viel mehr und sind bei Weitem gelassener. Man lässt sich anstecken, genießt sein Dasein und schätzt jeden Tag.

Und dann kommt man zurück, zu einem Völkchen, das vorher das deine war!
Man fühlt sich nur noch bedingt zugehörig. So ist man nicht mehr, so denkt man nicht mehr, so fühlt man nicht mehr und so will man auch nicht mehr sein.

Einige von uns Reisenden, können es genießen wieder zurück im deutschen Luxus zu sein, denn da draußen haben wir auch gelernt, dass in Deutschland vieles besser funktioniert, dass es sauber und sicher ist. Das man nicht täglich über den Tisch gezogen wird und dass es so etwas wie einen Kundenservice gibt.

Bei den anderen bleibt der Kulturschock im eigenen Land bestehen, die Abgrenzung wird größer, das Fernweh stärker. Bis man tut, was ein Reisender tut – wandern. Auswandern, Loswandern, Umherwandern.

Backpacking

  1. Tage zählen bis zur nächsten Reise

In einem Buch von einer Familie, die auf Weltreise war, schrieb die Autorin, dass ihre vierjährige Tochter nach zwei Monaten als sie wieder zurück waren im normalen Leben, sagte, dass sie jetzt mit all ihren Spielsachen hier gespielt hat, all ihre Freunde wieder gesehen hat, aber nun gerne die nächste Weltreise antreten würde.

Mir geht es genau, wie dieser kleinen Weltreisenden. Wer einmal die große Freiheit da draußen erlebt hat, jedem Tag mit dem Gefühl aufgewacht ist, dass man alles heute tun kann, aber nichts muss – der sieht wenig Sinn darin wieder ins Hamsterrad des Alltags dauerhaft zurückzukehren.

Meistens bleibt es nicht bei der ersten Reise, denn ist man erst mal vom Reisevirus infiziert, will man so bald wie möglich wieder weiter.
Die Finanzlage wird durchgerechnet, es wird gespart, alter Besitz wird verkauft, man arbeitet eine Zeit lang sehr viel und legt alles weg um dann… ja genau dann… wieder wegzugehen.

All jene die es schaffen sich ein Business aufzubauen, mit dem sie von unterwegs aus arbeiten können, dürfen sich glücklich schätzen. Die Welt erkunden und von unterwegs aus Geld verdienen, um immer weiter reisen zu können. Ein Traum!
Für alle anderen, wie mich, die vorerst hier bleiben müssen, um sich das Kapital für die nächste Reise zu erarbeiten, heißt es Tage, Wochen, Monate zählen, bis es wieder losgeht.
Man geht ins Reisebüro und lässt sich beraten, liest Bücher und Weltreiseblogs, schlendert durch Outdoor Läden und fliegt gedanklich über die Weltkarte. Man informiert sich über Länder und erstellt eine neue Tour.
„Vorfreude ist die schönste Freude“ heißt es und es hilft, das starke Fernweh ein wenig zu lindern.

Veränderung druch Reisen

  1. Man lernt das Leben mehr zu schätzen

Jeden Tag zur Arbeit, jeden Tag sich von einem zum nächsten Termin hetzen, jeden Tag Stress – sei es im Job oder Zuhause, jeden Tag abends müde und kaputt in den Fernsehsessel fallen. Mit 40 bekommt man dann die Rechnung, weil der Körper streikt und die ersten Krankheiten serviert, mit denen man dann bis zum Schluss zu kämpfen oder leben hat. Wenn dann auch noch der Verdienst nicht der Allerbeste ist und man immer überlegen muss, wie man all seine Rechnungen bezahlen kann, hat man doppelt Grund zum Frust.

Das hört sich vielleicht jetzt sehr negativ dargestellt an, aber wenn wir um uns blicken, führen sehr viele solch ein Leben. Ich habe mein Leben früher auch so empfunden! Ein ständiger Kampf „damit man nicht absäuft“ und egal was man tut es ist nie genug. Schrecklich!

Das wirklich von tiefen Herzen glücklich sein, kommt den meisten Menschen leider irgendwann im Laufe der Kindheit abhanden. Deshalb boomen die Angebote zur spirituellen Selbstfindung in der heutigen Zeit, man will sich sein inneres Glück zurückholen.

Wenn man es geschafft hat sich auf den Weg zu machen, wenn man genug Geld gespart hat, sich von seinem „Zuhause“ zu lösen und den Mut aufbringt in die Welt hinaus zu ziehen, dann eröffnen einem wirklich neue Türen.
Man erlebt, was wirkliche Freiheit ist, absolute Selbstbestimmung, man macht einen großen Schritt aus seiner bisherigen Komfortzone und traut sich etwas Großes zu tun. Man lernt nicht nur neue Menschen, neues Essen, neue Musik, neue Gebräuche kennen und taucht in verschiedene Kulturen ein. Man lernt vor allem sich selber kennen!
Manche erleben dies wie eine kleine Achterbahnfahrt, denn in der Tiefe unserer Seele kommen die verschiedensten Gefühle zutage. Andere sind einfach nur tiefglücklich, glücklich über jeden tollen Tag den sie sich selbst gestalten, wie es ihnen gefällt. Glücklich und zufrieden mit sich selbst und ihrer Umwelt. Überaus glücklich, sich zu dieser Reise entschieden zu haben und somit den Genuss zu haben diese tolle Erfahrung machen zu können.

Man lernt das Leben richtig zu schätzen, man lernt das Leben zu lieben, man lernt tief dankbar zu sein, dieses Leben führen zu dürfen.

Auf Reisen sieht man auch viele Dinge, die einen anstoßen. Armut, Krankheit, Benachteiligung, Kinder die auf der Straße leben müssen, ect. Wenn man das sieht, spätestens dann muss man ehrfürchtig zu sich selbst sagen „Danke für dieses Leben, danke dass es mir so gut geht!”

Weltreiseblog

  1. Sinn des Lebens ändert sich

Ein Mensch der auf eine längere Reise geht, verändert sich. Nicht zwingend aber bei vielen ist es so. Auf der Reise fällt einem das manchmal aber nicht ganz so sehr auf!
Auffallen tut es einem dann, wenn man zurück ist. Wenn man sich wieder eingewöhnen und im alten Leben zurecht finden muss. Man erkennt, dass sich die Sicht der Dinge verschoben haben.

Wie in den vorherigen Punkten schon beschrieben, ist einem das Materielle nicht mehr so wichtig, man ist selbst viel gelassener und kann oft die Reaktionen der Leute nicht mehr nachempfinden. Dann kommt bei einigen der Kulturschock der eigenen Gesellschaft dazu, das Gefühl ich will mich davon abgrenzen, das bin ich nicht mehr. Das Fernweh drückt im Schuh wie ein eingewachsener Zehennagel. Man war so glücklich und frei auf seiner Reise und nun steht wieder der 9-5 Job mit Terminen, Projekten und Deadlines auf dem Programm. Alle erwarten, dass du froh bist wieder da zu sein, denn sie haben dich vermisst. Ich habe sie auch vermisst, aber noch mehr vermisse ich das, was ich die letzten Monate hatte und nun nicht mehr haben kann.

Die Reise, all die schönen Momente – sie sind weg!
Man hat sie tief im Herzen, in den Erinnerungen und Fotobüchern. Aber man kann sie nicht genauso nochmal erleben. Das tut weh!

Dieser Schmerz, dieses Fernweh, dieses Verlangen das so wunderbare Leben auf Reisen, diese Neugierde neue Länder kennenzulernen, bringen einen dazu wirklich über sein Leben nach zu denken.
„Was ist mir jetzt wichtig, wie möchte ich leben, wo möchte ich hin und wie schaffe ich das?“ Einmal Blut geleckt von der großen Freiheit, der Süße des Lebens, will man sich nicht mehr damit abfinden, dass es das jetzt gewesen sein soll!

Karriere, Besitz und Sicherheiten sind nicht mehr wichtig, Freiheit und Abenteuer dafür sehr.

Man durchstöbert seine Wohnung und mistet gründlich aus. Man verkauft alles, was man nicht mehr unbedingt braucht.
Vermietet man seine Wohnung einfach unter? Behält man sich ein kleines Zimmer, um ein Zuhause zu haben, wenn man zurückkommt? Gibt man seine Wohnung ganz auf und reduziert sein Hab und Gut auf ein paar Kisten, die man einlagert? Verkauft man einfach alles und lebt man mit dem, was im Rucksack Platz hat?
Das sind Fragen mit denen man sich beschäftigt.
Und wie finanziere ich mir meinen Lebensunterhalt? Finde ich einen Job, den ich vom Pc aus überall in der Welt erledigen kann? Spare ich viel und bin mit diesem Geld dann solange unterwegs, bis es aus ist, komme dann zurück, arbeite wieder ein bisschen und geh mit dem neuen Geld wieder los? Oder probiere ich eine neue Art des Langzeitreisens aus, wo ich per Anhalter von A nach B komme, über Couchsurfing immer kostenlos bei Einheimischen übernachte oder bei Projekten im Ausland mitmache, sodass ich Unterkunft und eine Mahlzeit gratis bekomme? Vielleicht sich als Straßenmusiker das Geld für Essen verdienen, sofern man ein Instrument spielen kann? Hmm, passt das zu mir, will ich das?

Was ich damit sagen will, ist, dass sich die Gedanken nicht mehr darum drehen, wie viel Rentenpunkte ich schon habe, welches Auto ich mir als Nächstes kaufen will und wie ich in meinem Job eine Stufe weiter nach oben komme. Die Gedanken eines Heimkommenden drehen sich darum, wie man möglichst schnell Geld verdient um wieder losziehen zu können, was man mit seiner Wohnung macht, welche Länder als Nächstes auf die Liste kommen, ob man alleine oder lieber zu zweit reisen will, ob man je wieder in die normale Gesellschaft zurückkehren will.

Und wie viel Geld man mehr auf seinem Weltreise Konto hat, wenn man sich die drei Cocktails beim Weggehen nicht kauft und auch nicht, wie früher zweimal pro Woche zum Essen geht, wenn man nicht einmal im Monat shoppen geht und sich kein neues Fahrrad kauft, sich außer Lebensmittel überhaupt gar nichts neues mehr kauft. Denn mit nicht ausgegeben 20€ am Tag kommt man in Asien super aus und in der Karibik mit 50€.
Alles, was man hier nicht ausgibt für Dinge, von denen wir früher dachten, dass sie uns glücklich machen, schenken uns einen weiteren Tag mehr auf Reisen.

Langzeitreisen

Ich habe meine Entscheidung getroffen. Den sicheren Hafen hier werde ich verlassen, um in die Welt hinaus zu ziehen. „Denn Schiffe sind nicht dafür gemacht worden, um im Hafen zu stehen“ habe ich mal auf einer Postkarte gelesen.

Coco Kolumbus entdeckt die Welt als neue Langzeitreisende.

Schön, dass du mir auf der Reise meines Lebens folgst!

CoCo LouLou

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